2026

Offenbachs Geheimnis

Ein Abend mit dem Cellisten Andreas Müller


Ein vierzehnjähriger Junge an der Hand seines achtzehnjährigen Bruders in einer gigantischen Stadt: Jakob und Julius aus Köln. Es ist Winter, aber Paris feiert, als ob Sommer wäre – und weder Jakob noch Julius wissen, wie man in der Sprache dieser Stadt ein Glas Wasser bestellt. Aber sie werden sich dort einrichten, sie werden Musiker werden, werden sich Jules und Jacques nennen, Franzosen werden.

Die Kabarettistin Tina Teubner, der Cellist Andreas Müller und der Pianist und Autor Ben Süverkrüp nähern sich diesem ungleichen Paar. Jacques Offenbachs hochvirtuose Werke für Violoncello und Klavier werden aufs Engste verwoben mit einer Erzählung über Jules und Jacques in Paris:

Jacques, der Highspeed-Entertainer, wird den Parisern den Soundtrack zu ihrem Lebensgefühl liefern: im _prestissimo_, überbordend vor Witz und Überraschungen. Ein Selfmade-Gigant, der seine Opernhäuser selber baut und ein riesiges Œuvre hinterlässt, das andere Zeitgenossen schon mit dem bloßen Aufschreiben der Noten überfordert hätte.

Jules wird diesem Leben auf der Überholspur maximale Langsamkeit und Sturheit, sowie eine geradezu bedingungslose Ehrgeizlosigkeit entgegensetzen. Um ihn herum spielt das Leben so laut, bunt und aberwitzig schnell, dass er sich irgendeine Rettung suchen muss.

So unterschiedlich Jules und Jacques gewesen sein mögen, im Heimweh waren sie vereint. Wer Heimweh hat, kann verkümmern oder aufblühen, er kann ganz leise oder ganz laut werden – das Heimweh bleibt. Wer dann noch einen Bruder mit Heimweh hat, muss sich entscheiden, ob er diesen Bruder an sich zieht oder ihn wegstößt. Sonst tut das Heimweh sonst doppelt weh.